Reisen & Essen wie eine Kaiserin in Japan...

13. März 2021
Blogbild Reisen & Essen wie eine Kaiserin in Japan...

Hm. Ist dies nun ein Bericht über Reisen in Japan, über Essen in Japan oder über die neu entdeckte Liebe zu Geschirr?
Ich glaube, über all dies. Nicht nur beim Reisen & Essen kann man sich in Japan wie eine Kaiserin & Kaiser fühlen.
Es gibt so vieles, was in Japan einzigartig ist. In jedem Fall einzigartig und unvergesslich ist ein Aufenthalt in einem Ryokan mit einem Kaiseki-Menü zum Abendessen. 

Ich geb´s zu. Ich habe seit einigen Wochen meinen Blog nicht mehr mit neuen Rezepten & Berichten gefüttert.
Grund dafür: ich bin abgetaucht. Gedanklich. Emotional. Und real.
Die letzten Wochen habe ich mich ausschließlich der japanischen Küche gewidmet. Aus meinem Projekt "eine Woche japanisch kochen" wurden drei Wochen. Und das in Augsburg, wo frischer Fisch eher rar ist. Aber die japanische Küche besteht ja nicht nur aus Sushi & Sashimi, sondern aus viel mehr. Ich glaube, ich war gar erstaunlich begabt mit meinen neu erwachten japanischen Kochkünsten. Es war immer sehr "oishi" = lecker. ("oischi"). 

Vorteil bei meinem "Selbstversuch Japanisch Kochen" war, dass ich bereits drei Mal nach Japan gereist bin und ich somit einen ersten Einblick in die Vielfalt der japanischen Küche hatte. Ich betone: Einblick.
Und allerbeste Erinnerungen. Somit war der Respekt vor den Rezepten umso größer.  
Ganz nebenbei durchsuchte ich, von Sehnsucht getrieben, die Sammlung meiner Fotos der letzten Japan Reise im November 2019. Wir waren zum Herbstlaub-gucken vom Norden Japans bis nach Kyoto gereist. Vielleicht habt Ihr schon meinen Bericht über Zugfahren & Bentobox im Blog gelesen. Allein die Züge sind eine Reise nach Japan wert, finde ich. Wenn da nicht auch noch das Essen wäre...
Im November wanderten wir einen kleinenTeil des Dewa Sanzans Pilgerweges in der Region Tohuko, wir wandelten durch die zahlreichen Tempel von Kyoto & Nikko und wir bestaunten überall im Land die japanischen Gärten & ihre Teehäuser. Alles im Farbrausch der Ahornbäume. 

Japan steckt voller Höhepunkte, egal wo man hinfährt. Reisen ist so angenehm und so überraschend "easy". Das will immer keiner glauben, ist aber so. Übernachten kann man in westlichen Hotels oder in japanischen Ryokans, den  traditionellen Gasthäusern. Ich liebe es, in diesen Ryokans zu übernachten.
Man muss sich um gar nix kümmern, sogar für die Kleidung wird gesorgt! Beim Check-in sucht man sich einen Yukata aus. Eine Art Kimono. Raus aus den westlichen Klamotten & Schuhen und rein in´s ultimative Japan-Feeling. Vor dem Abendessen noch ab in den Onsen, in´s heiße Thermalbecken. Manchmal gibt es sogar einen "Bottich" aus Zedernholz auf dem eigenem Zimmer. Mit Blick in´s farbenfroh herbstliche Japan. Herrlich!

Und dann das: kulinarische Höhenflüge beim Abendessen. Mit Augenkino: denn das Auge isst in Japan immer mit.
Es gibt soviel zu betrachten und zu bewundern. Kunstwerke der besonderen Art. Solch eine Vielfalt an Formen & Farben, nicht nur bei den Speisen, sondern auch beim Geschirr! 

Ich glaube, ich habe bei dieser Reise einen Großteil meiner Fotos nur beim Essen geschossen. Ein Dank an Klaus für seine Geduld.
Ich konnte mich gar nicht sattsehen. Ich war mir manchmal nicht mehr sicher: Darf ich das tatsächlich essen oder will ich das nur bewundern? Will oder muss ich dieses Kunstwerk dann etwa zerstören?
Übrigens, nicht umsonst verneigt man sich in Japan vor und nach dem Essen. Als Dank und als Ehrerbietung an die Gaben, was Erde & Meer gegeben haben. Kann ich nachvollziehen.
In Japan steht Qualität an erster Stelle. Die Jahreszeiten prägen die Gerichte, die auf dem Teller landen. Wobei der Begriff "Teller" mehr als untertrieben ist. Wir sprechen hier nicht von "einem Teller" oder "einer Portion".
Essen wird hier zelebriert. Auf unzähligen Schüsselchen, Tellerchen, Schälchen. Aus Keramik, Glas, Porzellan, Metall, Lack, Stein, Holz. Alles ist mit unendlich viel Liebe zum Detail arrangiert. Passend zur Jahreszeit. In diesem Fall: der Herbst.

Wenn man Glück habt, dann gibt es handgeschriebene englische Speisekarten mit äußerst charmanten Erklärungen.
Und überall ein freundliches Lächeln. Das ist Kasumi, im Ryokan "Kuhe" in Tsuruoka im Norden Japans: 

Es war übrigens das Menü für´s Frühstück...
Wenn Ihr Euch jetzt fragt, wie man was isst und vor allem: was das alles ist? Das kann ich gar nicht mehr so genau beschreiben, aber es war in jedem Fall köstlich. Das wichtigste ist: man muss sich trauen, alles zu probieren. Alles!
Alle Aromen, alle Texturen. Man sollte mutig sein. Auch wenn es mal schleimig, mal eiskalt oder eben einfach so ganz anders ist als eine deutsche Marmeladensemmel. Hier werden alle Sinne angesprochen. Herrlich! 

Wenn es solch ein Frühstück gibt, dann freut man sich den ganzen Tag bereits auf´s Abendessen. Oder etwa nicht?
Ich wurde nicht enttäuscht. Könnt Ihr jetzt nachvollziehen, warum ich Japan so voll und ganz verfallen bin? 

Vom Norden ging es weiter Richtung Süden. Mit Stop am Fuji bei bestem Wetter. Mit seinen 3776 Metern ist der Mount Fuji der höchste Berg Japans und wohl auch der schönste. An diesem Tag hat er sich besonders für uns angestrengt, wahres Kaiserwetter! Denn oft hüllt er sich gerne in Wolken und versteckt sein schönes Antlitz.

Unser nächstes Ziel war Kyoto. Nicht nur die Stadt Kyoto, auch die Umgebung bietet viel Schönes und sympathische Begegnungen am Wegesrand. 

In Ohara, eine Stunde von Kyoto entfernt, quartierten wir uns in den Ryokan "Seryo" ein. Wir haben es keine einzige Sekunde bereut. Warum auch. Umgeben von Tempeln kann man hier Zen-mäßig zur Ruhe kommen. Ob im Garten des Sanzen-in Tempels oder im Onsen. Es gibt nichts schöneres, als im warmen Wasser zu liegen und sich auf das Abendessen zu freuen.

Meine Wunschliste für japanisches Geschirr wurde übrigens immer länger. Mir war klar: sobald wir zurück in Kyoto waren, war kein Geschäft mehr vor mir sicher. Es gibt viele...
Ob mir es allerdings jemals gelingen würde, auch nur ansatzweise so zu kochen, das stand in den Sternen.
Auch hier, im Ryokan Seryo wurden wir wieder kaiserlich verwöhnt. Königlich wäre eine Untertreibung.

Falls Ihr Euch fragt, ob wir das alles immer aufgegessen haben? Ja, haben wir!
Die japanische Küche verwendet so gut wie keine Butter, Sahne oder andere Fette. Man fühlt sich erstaunlich leicht, auch nach einem umfangreichem Kaiseki Essen.
Und: Ja, ich habe Geschirr eingekauft. Nicht viel, aber: Ich liebe es. Jedes einzelne Stück. Und ich behandle es mit viel Erfurcht und Vorsicht. Mehr dazu und mehr zu meinen Kochversuchen gibt`s in Kürze.
Zum Abschluß bleibt mir nur eine tiefe Verneigung und das Wort "Itadakimasu", was übersetzt soviel bedeutet wie:
"Danke für das Essen".
Dem kann ich nur noch hinzufügen: Danke Japan für die Inspiration und für jede Menge Glücksgefühle.

Zum Thema "Kaiseki" gibt es übrigens ein wunderbares Büchlein von Malte Härtig: "Kaiseki - Die Weisheit der japanischen Küche". Falls Ihr neugierig geworden seid und mehr über die Feinheiten der japanische Küche erfahren möchtet.

Kommentare (1)

  • Erika Schmutz

    14.03.2021 um 12:56

    Liebe Anette, es ist so wunderbar geschrieben und die Sehnsucht, bald wieder nach Japan reisen zu dürfen ist dadurch noch viel größer geworden bei mir. Ich liebe auch dieses Essen genauso wie du. Dass du das wunderbar Kochen kannst, weiß ich und kam schon ein paarmal in den Genuss, es bei dir genießen zu dürfen. Jedesmal ein Traum. Ich bin auch total inspiriert und infiziert, zur Zeit viel Japanisch zu kochen. Deine Erika

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